Samstag, 9. März 2019

SRF Arena: 5G

Die gestrige SRF Arena-Sendung zum Thema 5G war vor allem geprägt von der Abwesenheit von Kompetenz.

Es wäre sicherlich interessant gewesen, Herrn Röösli länger zuzuhören. Oder dem Astrophysiker Kevin Schawinski, der vermutlich die bessere Vorstellung der Zukunft hat, als alle Talk-Gäste zusammen. Beide kamen sie aber nur wenige Minuten zu Wort, weil sie im Publikum sassen und nur auf Nachfrage von Projer etwas sagen konnten.

Noch weniger Redezeit hatte Stephan Netzle, der Präsident von ComCom. Aber in den ihm telefonisch zugestandenen geschätzten 90 Sekunden entlarvte er mal eben die ahnungslosen 5G-Kritiker: Die Frequenzen, auf denen 5G senden wird, sind nicht neu. Schon das terrestrische TV-Signal wurde in vergangenen Jahrzehnten darauf gesendet. Und die kabellose Übertragungstechnik von älteren Musikanlagen nutzen teilweise auch diese Wellen.


Da war Rentnerin Loosli doch leicht verwirrt und sprachlos. Die Smartphones, die verkürzten Wellen funken, sind böse. Aber wenn Peter Reber live ohne Kabel spielte und sang, sah nie jemand ein Problem. Allerdings: Gemerkt, dass sie als Ahnungslose besser ruhig wäre, statt sich lächerlich zu machen, hat sie dann doch nicht. Warum hat SRF sie eingeladen? Doch nicht, um einen Clown zu haben?

Etliche andere Gäste waren vielleicht ein bisschen besser informiert als Frau Loosli. Aber durch Kompetenz konnte niemand so richtig glänzen, ausser den eingangs genannten. Frau Steiger und CH-Microsoft-CEO Janik wüssten sicher Bescheid, wirkten in der unprofessionellen Argumentationsumgebung aber irgendwie deplatziert. Die beiden Damen haben ziemlich offensichtlich nicht erwartet, dass hier so wenig Sachlichkeit verlangt ist. Frau Steiger kennt ihr Grenzen ("Zu Studien kann ich nichts sagen."). Dass man über Dinge, von denen man nicht Bescheid weiss, besser nicht argumentieren sollte, sahen leider einige Teilnehmer nicht so.

Am meisten zur unsachlichen Runde beigetragen hat - von Frau Loosli abgesehen - sicherlich Herr Kirchschläger. Als Professor für theologische Ethik hat er schon den Widerspruch im Titel und wenn auf den ersten Blick keine Fachkompetenz erkennbar ist, dann hat sich das im Verlauf der Sendung nur bestätigt.

Herr Kirchschläger fiel vor allem durch seinen Unterbrechungszwang auf, der es ihm scheinbar verunmöglicht, seine Gesprächspartner wenigstens manchmal ausreden zu lassen. Dass ihn Projekt mehrmals darauf hinweist, hat nichts geändert. Dass man seine Gesprächspartner mal unter Druck setzt, hat ja Arena-Tradition. Aber dass dann gleich jeglicher Anstand abhanden kommt, find' ich schon dicke Post.

Die Politiker Thierry Burkart und Balthasar Glättli waren die typischen Arena-Gäste und machten ihren Job ordentlich.

Fazit: SRF hat eine seltsame Auswahl getroffen, wen es in die Arena lässt (in meinen Augen eine falsche). Und die echten Fachleute kamen nur am Rande (und damit viel zu wenig) zu Wort. Vermutlich, weil dann eine Diskussion, wie sie gestern geführt wurde, noch absurder erschienen wäre.

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