Mittwoch, 20. Dezember 2017

Rubik's Cube: Eine neue Herausforderung für mich?!

Der Zauberwürfel heisst im Original Rubik's Cube und ist von einem gleichnamigen ungarischen Ingenieur erfunden worden. Das war 1974, also zwei Jahre nach meiner Geburt. Ich weiss nicht mehr, wann ich meinen Zauberwürfel bekam, aber da das Spielzeug anfangs 80er besonders berühmt wurde, dürfte ich zwischen acht und zehn Jahre alt gewesen sein.

Natürlich hatte ich keinen Plan, wie man das Würfelrätsel löst. Und Internet gab es damals noch nicht, geschweige denn YouTube. Entsprechend habe ich mich nicht getraut, die Steine wirklich durcheinander zu bringen. Viel mehr "mischte" ich den Würfel nach einem festen (und ziemlich simplen) Schema. Wenn ich den Würfel danach wieder gleich in den Händen gehalten habe und das Schema rückwärts durch bin, hat sich alles wie von selbst wieder gelöst. Das war natürlich keine Leistung, aber ich war irgendwie trotzdem stolz.

Dann kam unweigerlich der Moment, wo sich der Würfel nicht mehr korrekt löste, egal wie lange ich das simple Schema durchexerzierte. Ich musste versehentlich den Würfel falsch gehalten haben. Oder jemand hat daran gedreht ohne mein Wissen. Ich glaube, ich musste damals beinahe weinen. Mir war völlig klar: Den bringst du niemals wieder hin. Ende, aus, vorbei. Und jetzt kommt's ...

Ich war so verzweifelt, dass ich die Farbkleber auf den Steinen löste und am richtigen Ort aufklebte. Klar, die Sticker sind nicht dafür gedacht, dass man sie entfernt und wieder aufklebt. Sie zerrissen beim Ablösen und klebten danach nicht mehr richtig. Mein Würfel sah Scheisse aus.


In der Schule hat mir später jemand gezeigt, dass man den Würfel auseinander nehmen kann. Das Geschick, das für das anschliessend richtige Zusammensetzen nötig war, konnte ich aufbringen. Ganz im Gegensatz zu demjenigen, das für das richtige Lösen des Rätselwürfels benötigt wurde. Ich war nun happy, dass ich den Würfel jederzeit wieder richtig zusammen bauen konnte, das richtige Lösen blieb mir aber immer verwehrt.

Mittlerweile sind seit der Erfindung über 40 Jahre verstrichen und der Zauberwürfel, der eigentlich nie wirklich in Vergessenheit geriet, erlebt gerade eine Art Comeback. So scheint es mir zumindest, wenn ich sehe, wie viele junge Menschen sich damit beschäftigen. Das Lösen allein ist heute keine wirkliche Sensation mehr, längst wurde die Herausforderung gesteigert, indem man den Würfel blind löst, unter Wasser oder innert wenigen Sekunden (der Rekord für den 3x3x3-Standardwürfel liegt aktuell bei 4.69 Sekunden). Auch andere Formate des Würfels sind aufgekommen.

Was hat das mit mir zu tun? Eigentlich nichts. Wäre da nicht mein Neffe kürzlich mit eben so einem Würfel aufgetaucht. Mit dem Stolz, den ich als Kind nie haben konnte, hat er den Würfel vor unseren Augen gelöst. Prima Leistung, wie ich finde. Und schön, wenn Kinder noch andere Spiele als digitale im Kopf haben.

Mich hat das dazu bewegt, fast 40 Jahre nach meinen eigenen kindlichen Würfelerfahrungen, der Sache nochmals auf den Grund zu geben. Im vollen Bewusstsein, dass es heute im Gegensatz zu damals mit Sicherheit dutzende von Tutorials gibt, habe ich mich auf die Suche gemacht. Und tatsächlich: Es gibt allein auf YouTube zahlreiche (vermutlich unzählige) Anleitungen, wie man den Würfel lösen kann. Einige sind für Profis, andere für Anfänger. Angeblich zumindest, denn fast alle Videos sind nicht wirklich verständlich, wenn man sich nicht schon mit der Materie vertraut gemacht hat und Grundkenntnisse hat. Wenn man den Kommentaren glauben darf, dann haben die Filme zwar einigen geholfen, mir aber nicht.

Immerhin: Mit 45 wurde mir nun zum ersten Mal klar, dass die Lösung des Zauberwürfels ganz anders funktioniert, als ich mir das als Kind vorgestellt habe. Es gibt eine gewisse Anzahl Abläufe, genannt Algorithmen, die einen Stein von A nach B oder von C nach D oder halt von G nach A bewegen. Und allenfalls macht man denselben Ablauf mehrmals, um den Stein dabei auch noch zu drehen. Denn z.B. der weiss-grüne Kantenstein muss ja nicht nur an der richtigen Stelle liegen, sondern auch noch in der richtigen Lage, nämlich grün gegen die grüne Seite und weiss gegen die weisse Seite.

Es gibt viel mehr Algorithmen, als wirklich nötig sind, um einen Zauberwürfel zu lösen. Viele sind redundant, machen also das, was andere Algorithmen auch machen, nur schneller. Insbesondere für Spieler, die den Würfel auf Geschwindigkeit oder blind lösen, sind die wichtig.

Mit meinem in die Jahre gekommenen Gedächtnis will ich natürlich nicht unbedingt die schnellstmögliche Art finden, sondern einfach überhaupt mal eine. Und wenns geht eine, die ich mir merken kann. Wie gesagt, die bisherigen Filme waren da eher ernüchternd.

Aber: Die Tatsache, dass man angeblich nur sechs oder sieben Algorithmen zwingend kennen muss, um den Würfel zu lösen, hat mich grundsätzlich ermutigt. Das sollte ich ja noch hinbekommen, oder? Ich bin dann die nächsten Tage sicher beschäftigt. :-)

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