Sonntag, 18. Juni 2017

Lagerverkauf bei Digitec


Wenn Digitec auf Twitter verkündet, dass bei ihnen ein Lagerverkauf stattfindet, dann meinen die das eigentlich gar nicht so.

Unter Autoverkauf versteht man wohl unbestritten den Verkauf eines Autos. Doch was versteht man unter Lagerverkauf? Dass die Firma ihr Lager im Sinne der Immobilie verkauft oder ihr Lager im Sinne der Buchhaltung, also den Lagerbestand? Natürlich meint man die Artikel, die an Lager sind. Auch wenn spitzfindige Erbsenzähler wie ich etwas anderes behaupten könnten, so weiss die Allgemeinheit, dass man unter Lagerverkauf den Verkauf des Lagerinhalts und nicht der Lagerhalle meint.

Trotzdem ist der Begriff Lagerverkauf nicht korrekt bzw eben doch irreführend. Verkaufen Firmen wie Digitec, die den Hauptteil ihres Umsatzes über das Internet machen, nicht ohnehin alle ihre Artikel ab Lager? Wie denn sonst? Also ist eigentlich jeder Digitec-Verkauf ein Lagerverkauf, weil der verkaufte Artikel ja aus dem Verkaufslager kommt.

Warum erwähnt Digitec dann ausdrücklich, dass es sich um einen Lagerverkauf handelt, als ob das nicht immer der Fall wäre? Offenbar weil sie auf eine von der Normalität abweichende Situation hinweisen möchten: Produkte zu unschlagbaren Preisen, zeitlich beschränkt. Und der Hinweis "Wir machen Platz" ist auch interessant. Mit einem Verkauf wird im Prinzip immer Platz geschaffen, denn es geht ja ein Artikel aus dem Lager. Nur wird dieser neugeschaffene Platz meistens gleich wieder befüllt, nicht selten mit Nachschub des gerade eben verkauften Artikels.

Natürlich ist es denkbar, dass eine Firma ihre alten Lagerbestände endlich loswerden will. Dann sprechen wir von Ladenhütern, die zum normalen Preis keiner mehr will und die jetzt einfach weg müssen, damit Platz für neue Artikel entsteht. Das scheint bei Digitec aber nicht der Fall zu sein, denn: Erstens sind in der üppigen Liste einige Artikel, die mutmasslich noch nicht so alt sind, dass sie nicht mehr verkauft werden könnten. Zweitens sind bis auf zwei, drei Ausnahmen alle Lagerbestände zu Beginn der Aktion auffällig rund gewesen. Es ist kaum denkbar, dass bei über hundert Artikeln der Lagerbestand bei 50, 100, 150 oder 190 ist und nicht bei 48, 97, 153 oder 196.

Es scheint also vielmehr, dass Digitec einfach ein Kontingent dieser Artikel für eine Aktionsdauer im Preis reduziert, um den Verkauf anzukurbeln und auf sich aufmerksam machen zu können. Was natürlich völlig legitim, ja sogar seitens Konsumenten wie mir herzlich willkommen ist. Nur ist es kein "Ausverkauf", wie vorgegaukelt wird, sondern einfach eine zeitlich und quantitativ limitierte Aktion.

Ein letzter Punkt fällt mir auf: Der Begriff "Lagerverkauf" meint ursprünglich den Direktverkauf ab Lager. Das heisst, der Kunde kommt zum Verkäufer ins Lager, wählt die Ware, bezahlt sie und bringt sie selber heim. Auch dies ist bei der erwähnten Aktion offenkundig nicht der Fall.

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