Samstag, 28. Januar 2017

Die Filmindustrie ist eine Pfeife

Wenn es um die Bekämpfung von Gratis-Downloads und -Streaming geht, hinkt die Filmindustrie nur wenig ihren Kollegen der Musikindustrie hinterher. Portale wie kino.to werden medienwirksam und nach jahrelangen Kämpfen geschlossen und diejenigen gejagt, die Filme und Alben illegal hochladen (das Downloaden ist ja in verschiedenen Ländern, so auch der Schweiz, nicht strafbar). Scheinbar haben die Filmverlage also grosse Sorgen, dass Ihnen Umsätze verloren gehen durch die illegale Verbreitung ihrer Werke.

Wie aber geht man als Konsument vor, wenn man sich spontan einen Film anschauen will und auch bereit ist, das auf vollkommen legalem Weg zu tun gegen Bezahlung? Ich hab's probiert. Ich wollte mir "Jack Reacher" mit Tom Cruise (*bäh*) anschauen, weil ich gerade das Buch, das als Vorlage diente, gelesen hatte.

Erste Anlaufstelle: Ex Libris
Ich wusste, dass Ex Libris nicht nur Titel verkaufte, sondern auch einen Video On Demand-Dienst (VOD) anbietet. Mehr per Zufall hatte ich das mal entdeckt. Also auf www.exlibris.ch und kurz Suchbegriff "Jack Reacher" eingegeben. Schade, kein Suchresultat. Der Film wird offenbar nicht geführt.

Zweite Anlaufstelle: iTunes
Man ist bequem und steuert erst die Stellen an, die man kennt, mit denen man vertraut ist. Ein iPhone nutze ich seit Jahren nicht mehr und bei iTunes kann ich mich gar nicht mehr erinnern, wann ich es das letzte Mal startete. Suchbegriff "Jack Reacher" - et voilà. Da ist der Film. Für CHF 20 zu kaufen oder für CHF 3.5 zu mieten. Oh, ich hab' ja sogar noch eine Filmleihe als Gutschrift auf meinem Account, prima. Auf "leihen" klicken, Passwort eingeben. Das war's, nichts passiert. Der Hinweis "1080 wird geladen" erscheint, mehr aber nicht. Nach fünf Minuten immer noch nicht. Ich lade die Seite neu. Es erscheint wieder der Button für die Leihe, ich drücke erneut, gebe erneut das Passwort ein. Wieder nichts. Mist.

Dritte Anlaufstelle: Google Play
Ich hab' zwar ein Android-Handy, aber den Film will ich natürlich nicht da drauf anschauen. Mal sehen, vielleicht geht's ja auch anders. Den Film "Jack Reacher" finde ich problemlos, die Preise sind vergleichbar. Ein Klick auf "Für CHF 3.99 leihen". Es erscheint ein Bestätigungsfenster: "Wenn Sie auf "leihen" klicken... blablabla, mieten Sie den Film...blablalba...haben 48 Stunden Zeit...blabla". Alles klar, nur leider ist der Button "leihen" ausgegraut, lässt sich nicht anklicken. Was soll denn das? Ich versuche es mehrmals, immer mit dem gleichen Resultat. Und ohne einen einzigen Hinweis, warum das nicht geht. Scheisse.

Vierte Anlaufstelle: Amazon
Hab' ich noch nie benutzt, aber langsam werd' ich ungeduldig. "Jack Reacher", Suche. Sofort gefunden. Leihen, ok, Preis, ok. Los geht's. Nicht. Es kommt ein Fenster, das mir irgendwas von Sicherheitsmerkmalen des Bildschirms erzählt, wenn die nicht erfüllt wären, würde der Film statt in HD nur in SD oder in geringerer Auflösung gezeigt. Damit man nicht aufnehmen kann, klar. Aber ich will ja nicht aufnehmen, ich will gucken. Warum soll man überhaupt das Aufnehmen verhindern, wenn man denn Film ja vermutlich sowieso schon als Kopie online findet? Und ich will ja bezahlen, Mensch. Die Meldung verunsichert mich, ich will keinesfalls noch irgendwelche Programme laden müssen oder den Film nur in SD schauen können, wenn ich schon bezahle.

Ich gebe entnervt auf. Vier legale Bezahlanbieter; einer hat den Film nicht, drei stellen mir z.T. unüberwindbare Hürden in den Weg, ohne sie zu begründen. Was mache ich? Ich such' mir eine Plattform, die mir einen Streaming-Link zur Verfügung stellt.

Drei Minuten später läuft "Jack Reacher" auf meinem Monitor. In HD-Auflösung. Ohne dass ich einen Cent bezahlt habe. Vermutlich ein illegaler Anbieter, wer weiss das schon als durchschnittlicher Konsument.

Ich frage mich nur: Warum kann es den ehrlichen Menschen nicht genauso einfach gemacht werden wie denjenigen, die von illegalen Seiten downloaden und streamen? Warum werden diejenigen, die ohnehin schon bereit sind, ehrlich zu bezahlen, auch noch schikaniert durch Einschränkungen hier, komplizierte Wege da und unzuverlässige Services dort?

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