Dienstag, 4. Oktober 2016

Wer billig kauf, kauft zweimal. Oder auch nicht.

Es ist eine Weisheit, die man gerne noch von den bodenständigen Unternehmern in Westeuropa, allen voran in Deutschland und der Schweiz, hört: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Gemeint ist, dass billige Produkte nichts taugen und man dann schliesslich, enttäuscht vom Billigprodukt,  im zweiten Anlauf doch noch das teurere Produkt kauft.

Kann sein, kann aber auch nicht sein. Denn der Spruch vermittelt im Umkehrschluss die Behauptung, dass teurere Produkte sozusagen automatisch die besseren Produkte sind. Und das, so weiss ich aus verschiedenen persönlichen Erfahrungen, stimmt definitiv nicht. Zu diesem Schluss kommt offenbar auch ein unlängst durchgeführter Test von c't, der renommierten Computer-Zeitschrift.

c't 30.09.2016 | Screenshot

Natürlich gefällt es den starken Marken nicht, wenn solche Berichte in auflagenstarken Medien verbreitet werden. Denn nebst immensen Kosten, die sie für das Aufrechterhalten ihrer Markenstärke aufwenden müssen, haben sie nicht selten auch die ganze Entwicklung neuer Technologien und Patente zu amortisieren. Noch scheint es nämlich, dass die Billiganbieter aus China und Umgebung selten eigene Entwicklungen bringen, sondern viel mehr kopieren und allenfalls verbessern, was westeuropäische Firmen schon entwickelt haben.

Und da sind wir beim eigentlichen Problem: Auf der Jagd nach immer noch günstigeren Möglichkeiten der Produktion, getrieben von der Gier nach Profitsteigerung, wird mittlerweile ja aus fast allen Industriesektoren in China produziert. Damit verbunden ist, es geht nun mal kaum anders, auch ein mehr oder minder grosser Knowhow-Transfer. Wenn dann auf "verschlungenen" Wegen das Wissen seinen Weg nach draussen findet, gibt es genügend Firmen, die ihm gerne ein neues Zuhause geben und die Produkte ohne eigene Entwicklungskosten und teuren Branding-Kosten auf den Markt bringen.

Selbst wenn diese Kopien nur im eigenen Land, sprich China, vertrieben werden, ist der Markt gross genug, um daraus ein lukratives Geschäft zu machen. Alibaba und andere Plattformen sorgen dafür, dass auch der internationale Versand zum Kinderspiel wird. Und wer weiss, wie schwierig zum Beispiel Patentverletzungen in der Schweiz oder Deutschland gerichtlich zu verfolgen, der denkt nicht mal dran, das in China zu versuchen.

Für den Konsumenten hingegen wird's interessant. Denn wenn sich erst mal herumgesprochen hat, dass die Billigprodukte nicht selten (aber auch nicht immer, wohlverstanden) vergleichbare Qualität haben mit den x-fach teureren Markenprodukten, geraten letztere unter Druck und passen ihre Preise etwas um dem Billig-Import entgegen zu wirken.

Allerdings eine Warnung in eigener Sache: Der Import von Billig-Artikeln kann auch in die Hose bzw. ins Geld gehen. Dann nämlich, wenn man etwas importiert, das so hierzulande nicht erlaubt ist und der Zoll es per Zufall bemerkt. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal...

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