Sonntag, 18. Dezember 2011

Wie geht's dir?

Da kommt eine Person auf mich zu, die ich nur sporadisch, alle paar Monate sehe. Und ich ahne schon, wie der erste Satz lautet: "Salü, wie geht's?"

Auf die Frage antworten wir doch in 99% der Fälle mit "Danke, gut. Dir auch?" Und zwar völlig egal, ob es uns gerade wirklich gut geht oder nicht.  Wir wissen, dass wir das sagen. Der Fragende weiss es auch. Und trotzdem fragen wir uns das immer und immer wieder.

Mal ehrlich, wenn mal einer nicht mitspielt und erklärt, dass es ihm nicht gut gehe, wird's häufig peinlich. Weil man hierfür keine Floskel hat und man davon ausging, dass der andere das Spielchen kennt und mitspielt.

Vielleicht antwortet deshalb kaum je einer negativ auf diese Frage. Selbst auf dem Sterbebett würden einige, so scheint es, noch antworten "Danke, gut. Und dir?"

Vielleicht, weil wir gar nicht mehr auf die Frage an sich hören, sondern automatisch, sozusagen als Reflex die Floskel ergänzen. Vielleicht aber auch, weil wir befürchten, dass bei einer negativen Antwort die Frage nach Details kommt: Warum, was ist, wo klemmt's....

Wer nicht erklären und erzählen will, der antwortet am besten mit "Danke, gut. Und dir?" Auch, oder gerade wenn es einem eben nicht gut geht.

Kommentare:

  1. Es gibt noch einen weiteren Grund zu sagen, dass einem Gut geht. Ansonsten müsste man ja ausführlich erklären woran gerade gelitten wird und dass möchte zumindest ich, nicht allen Erzählen.

    AntwortenLöschen
  2. @klaeui: Genau, das kenne ich. Und wenn in jüngster Vergangenheit noch was Besonderes war, z.B. Unfall oder Krankheit, dann überlegt man sich immer, fragt der jetzt speziell bezüglich dieses Falles oder generell? Oder einfach als Floskel?

    AntwortenLöschen