Samstag, 11. September 2010

Bedrohte Art: Blogger

Facebook killed the Blogger Star - so der Titel eines Referates von Pixelfreund anlässlich des Blogcamps 2010. Darin wirft er die Frage auf, ob die Blütezeit von Blogs vorbei wäre und durch Facebook, Twitter und anderen Media-Anwendungen abgelöst würden. Die Slides zu dieser Präsentation können übrigens online betrachtet werden.

Natürlich, Vorzeigeblogger wie Peter Hogenkamp, Bloggingtom oder Thomas Benkö bloggen nicht mehr annähernd in der Kadenz wie noch vor einem oder zwei Jahren. Letzterer hat sich gar diese Tage ganz von seinem Blog getrennt. Liegt Pixelfreund also richtig?

Wie so oft bei A-Bloggern dreht sich alles um die überbewertete kleine Welt der Blog-Prominenz. Die besteht zumeist aus webaffinen Alpha-Typen, die durch eine Vorreiterrolle oder einen besonderen Umstand in den Kreis der A-Blogger gekommen sind.

Durch ihre Webaffinität sind sie fast gezwungenermassen bei allen neuen Online-Services als Erste dabei. Und oftmals vermutlich auch als erste wieder draussen. Denn allen Social Media-Diensten ist eines gemein: Sie fressen Zeit. Mitunter viel Zeit. Und irgendwann kommt selbst der grösste Fan an die Grenze des zeitlich Möglichen. Hinterher hinken will keiner, also fängt man an, sich von in die Tage gekommenen Dienste wieder zu verabschieden. Und weil sowieso kaum einer Lust hat, bereits auf Twitter / Facebook in 140 Zeichen "verarbeitete" Themen nochmals als Blog-Eintrag aufzunehmen, streicht man halt den Blog. So geht das.

Dass man mit diesem Schritt seine Reichweite drastisch einschränkt, fällt vielleicht irgendwann auf. Schliesslich lesen bei Twitter fast ausschliesslich die Follower mit, bei Facebook bestenfalls die Freunde von Freunden. Kaum einer landet mit einem Suchmaschinen-Suchbegriff auf einem Tweet oder einem Facebook-Profil. Aber vielleicht stört das die Alpha-Tierchen auch gar nicht, die Welt dreht sich ja ohnehin sozusagen um sie. Und dank der öffentlich sichtbaren Anzahl Follower / Friends lässt sich endlich eindeutig messen, wer der grösste.... Lassen wir das.

Der weitaus grösste Teil der Blogger gehört aber nicht zur Prominenz. Man bloggt aus Freude am Schreiben oder an einem besonderen Hobby. Oder man nutzt Blogs als Plattform für Selbstverherrlichung als Möglichkeit, ein Trauma zu verarbeiten. Oder man hat eine blogähnliche Form gewählt um ein spezifisches Thema abzuhandeln. Und so weiter.

Blogs heissen vielleicht irgendwann nicht mehr Blogs. Aber sie werden immer weiter existieren. Denn in 140 Zeichen lässt sich nunmal kaum ein ernsthaftes Thema abhandeln. Und warum soll man auf Facebook für vierhundert Freunde schreiben, wenn im Web Zehntausende sind, die sich für mein Hobby interessieren?

Kommentare:

  1. jawoll! ich blogge selber weniger, weil ich auf facebook sehr aktiv bin und es mir gefällt, in kurzen sätzen mein befinden kund zu tun, aber aufhören zu bloggen?nää...geht gar nicht!

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  2. Das lustige ist, dass ich mich eigentlich als sehr Technik-Affinen Mensch betrachte.
    Auf Facebook findet man mich nicht, Twittern tu ich eigentlich erst, seit ich blogge und bloggen tu ich erst seit knapp einem Monat.
    Ich kann also nur mein Leseverhalten betrachten. Ich lese in ca. 60 verschiedenen Blogs (meist englischsprachig) zu den Themen, die mich intetressieren. Tweets verfolge ich ein paar (das muss sich wohl noch einpendeln) und von Facebook hab ich eh nie so recht begriffen, wofür das gut sein soll (ausser um in virtuellen Farmen Zeit totzuschlagen).
    Ich denke, der Blog als Medium hat sich in seiner Vielfalt etabliert. Das gehört inzwischen zum web einfach dazu!

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