Dienstag, 27. Januar 2009

Ist der Segway ein Misserfolg?


Als im Jahre 2001 der Vorhang der Geheimniskrämerei gehoben und der Segway dahinter zum Vorschein kam, war der Hype gross. Am grössten bei seinem Erfinder, Dean Kamen. Der Segway würde den Strassenverkehr, insbesondere für Pendler, revolutionieren hiess es damals. Und die Chancen dafür waren wohl durchaus intakt.
Doch heute, acht Jahre und zwei Segway-Generationen später, kommt die Ernüchterung. Der Segway hat lediglich einen Bruchteil der vom Erfinder erhofften Verkaufszahlen erreicht. Und das AutoBlog stellt sich sogar die Frage, ob der Segway ein einziger Misserfolg war. Aus Sicht der Marketing- und Verkaufsabteilung wohl definitiv. Es ist zu bezweifeln, dass die in das Projekt investierten Kosten überhaupt mit den Verkäufen gedeckt werden konnten. 
Dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe. Ein wesentlicher ist ganz bestimmt der Preis, wie ich schon mehrmals geschrieben habe. Für gut 10′000 Franken bekommt man ein Fahrzeug, das 20 km/h fahren kann und auf dem man ungeschützt der Witterung ausgesetzt ist. Dadurch kann der Segway nur bei Schönwetter und innerhalb einer Stadt eine halbwegs sinnvolle Alternative zum Auto sein. Doch da könnte man auch aufs Fahrrad umsteigen. Zwar macht der Segway unbestritten mehr Spass, doch dafür allein können die wenigsten Leute zehn Riesen hinblätten. Leider waren sich die Segway-Erfinder ein bisschen zu sicher und haben den Segway preislich hoch angesiedelt. Die Chance, durch sinkende Preise vermehrt Kunden zu finden, scheint keine Option zu sein. Meines Erachtens dürfte der Segway ca. 5′000 Franken kosten. Nicht mehr.
Ein weiterer Grund ist die fehlende Lobby. Man jammert zwar überall wieder über die vielen Autos, Abgase und Risiken im Verkehr. Doch ein Fahrzeug, das alle diese Probleme wenigstens teilweise lösen könnte, wird nicht unterstützt. Der Gesetzgeber macht seltsame Auflagen und der Fussgängerverband, dem eigentlich mehr Segways statt Autos recht sein sollten, macht geradezu mobil gegen die umweltschonenden Elektroroller. Doch die Schweiz ist da nicht alleine, auch in den Niederlanden und Grossbritannien wird für die Zulassung des Segways mehr oder weniger erfolglos gekämpft. Und selbst in Deutschland, wo doch schon ein paar Bundesländer eine Zulassung erteilt haben, ist man noch weit davon entfernt, eine einheitliche und landesweite Regelung zu haben.
Vom Schweizer Import spürt man sozusagen nichts und die meisten Händler in Helvetien verkaufen den Segway lediglich nebenher, quasi als Hobby. Das passt nicht mal ansatzweise zur Hochpreispolitik. Wenn schon ein Vermögen verlangt wird, dann sollte man auch mit der grossen Kelle anrühren. Von nichts kommt nicht viel mehr als nichts. Das Verkaufsnetz ist drittklassig, im besten Fall zweitklassig. Das passt einfach nicht zum erstklassigen, exklusiven Premium-Image, das ein Segway transportieren könnte.
Mir sind da je länger je mehr zu viele Widersprühe. Externe, aber auch selbstverschuldete. Da wird ein gewaltiger Ruck durch die Segway-Landschaft gehen müssen; entweder in Sachen Pricing oder in Sachen Vertriebsorganisation. Ansonsten wird der Segway trotz Selbstbalance durch ein Fernost-Produkt gekippt.

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